Für nicht wenige Cash.-Leser werden das Thema ELTIFs/Private Markets und die meisten Akteure neu sein. Welche Produkte beziehungsweise Dienstleistungen bieten Sie in dem Zusammenhang an?
Robertson: Allianz Leben gehört zu den Pionieren: bereits seit Ende 2019 bieten wir unseren Kundinnen und Kunden mit der PrivateFinancePolice einen einfachen und systematischen Zugang zu den Renditechancen alternativer Anlagen. Über eine moderne Rentenversicherung mit Kapitaloption erfolgt ab dem ersten Bewertungsstichtag eine Beteiligung an der Wertentwicklung von weit über 10.000 Investments in fünf Anlageklassen wie Private Equity, Private Debt und Infrastruktur. Im letzten Jahr haben wir unser Angebot um die PrivateMarketPolice erweitert. Mit dieser Police kann gezielt in einzelne Anlagestrategien wie Private Equity investiert werden. Mit beiden Produktlinien können sich Endkunden einfach und systematisch ein breit diversifiziertes Core-Satellite-Portfolio aufbauen – und das bereits ab 10.000 Euro pro Produktlinie.
Binder: NAO ist die erste Mobile-Plattform für Private und Alternative Investments. Privatanleger investieren über die mobile NAO-App mit drei Klicks ab 1.000 Euro in Private Markets . Die Idee entstand in meiner Zeit als Geschäftsführer eines Single Family Office. Das Thema ELTIF hat uns einen riesigen Schub gegeben. Mittlerweile bieten wir sechs Alternative Asset Klassen an, zum Beispiel Private Debt oder Infrastruktur Private Equity. Wir haben bereits vier ELTIFs mit großen Asset Managern, wie der Partners Group, UBS, BNP Paribas AM und Moonfare im Angebot und richten uns direkt an Privatkunden, haben aber auch B2B-Partnerschaften.
El Mallouki: Portagon arbeitet daran, dass Private-Markets-Produkte genauso zugänglich werden, wie liquide Produkte es bereits sind. Dafür haben wir für Distributoren – das können Bankenpools, Vermögensberater oder depotführende Stellen sein – individuelle Lösungen zur Verwahrung und zum rechtssicheren Vertrieb von Produkten jeglicher Couleur im Bereich der Privatmarktprodukte. Das können Vermögensanlagen, AIFs oder andere Finanzinstrumente sein. Und eben auch ELTIFs. Im Q2 dieses Jahres führen wir das Private Markets Depot ein, das unabhängig von den bestehenden Depotführungsstellen sämtliche Produkte für sämtliche Kundengruppen verwahren kann.
Vathje: Privatize ist eine ELTIF-Plattform für 34f-Finanzanlagenvermittler, Vermögensverwalter und Banken, um Private-Equity-, Infrastruktur- und Private-Debt-ELTIFs effizient einzusetzen. Integriert in Pools und Haftungsdächer wie Fonds Finanz, Fondsnet, Finum und Inno Invest, stellt die Privatize-Lösung Vermittlern verständliche Informationen und Videos für Kundengespräche zu ELTIFs, deutschsprachige ELTIF-Produktpräsentationen sowie rechtskonforme Abschlussstrecken bereit. Die Einbuchung der ELTIFs erfolgt über Privatize direkt in bestehende Kundendepots, zum Beispiel bei DAB, Fondsdepot Bank oder V-Bank.
Auel: Munich Private Equity existiert bereits seit 1999 und ist eine eigentümergeführte Unternehmensgruppe. Wir bieten seit über 25 Jahren Private Equity in Form von Dachfonds für Privatanleger an. Heute haben wir über 160.000 Verträge, mit denen Privatanleger bei uns über klassische geschlossene Publikums-AIFs ab 50 Euro im Monat in Private Equity investiert haben. Vor einigen Jahren haben wir über eine Schwestergesellschaft auch ein institutionelles Angebot für professionelle Anleger ab einer Million Euro ergänzt, ebenfalls über Dachfonds. Bei beiden Anlegergruppen konzentrieren wir uns seit einigen Jahren auf den Lower-Mid-Market, also mittelständische Unternehmen. Wir haben jetzt den ersten deutschen ELTIF aufgelegt, der von der BaFin zugelassen wurde.
Welche Chancen bietet das Vehikel ELTIF 2.0 beziehungsweise Privatmarktanlagen generell?
Auel: Für deutsche Anleger bringt der ELTIF erstmal keine besonderen Veränderungen. Sie konnten bereits vorher über Publikums-AIFs in Private Markets investieren. Auf Basis der ELTIF 2.0-Verordnung können wir den ELTIF nun in der ganzen EU anbieten – auch in Ländern, in denen der Zugang zu dieser Assetklasse Privatanlegern bislang verwehrt war. So sind wir mit unserem ELTIF etwa in Österreich gestartet. Wir sehen bereits jetzt, dass Privatmarktinvestitionen für Privatanleger durch das Thema ELTIF insgesamt mehr Aufmerksamkeit erhalten. Viele der neuen Anbieter sind große Player, die in anderen Produktkategorien bereits mit Banken zusammenarbeiten. Wir gehen davon aus, dass die Probleme mit den technischen Abwicklungsstrukturen daher bald gelöst werden. Damit würde der potentielle Markt stark wachsen und von diesem größeren Kuchen wollen wir mit unserer langen Erfahrung und umfangreichen Expertise profitieren..
Vathje: Der ELTIF eröffnet als EU-Vehikel mit einem transparenten und regulierten Rahmen für viele Privatkunden erstmals den Zugang zu Privatmarktfonds der weltweit führenden Asset Manager, die bislang vor allem von institutionellen Kunden oder von Family Offices und Stiftungen genutzt werden. Unter ELTIF 2.0 sind unter anderem Evergreen-ELTIFs eingeführt worden, also Produkte mit sehr langer Laufzeit, die Rückgabemöglichkeiten und fortlaufend die Möglichkeit zu Zeichnungen bieten. Sie sind semi-liquide, werden regulatorisch aber als „offen“ eingestuft. Das erweitert den Anlegerkreis und auch den Kreis der Vertriebspartner um Finanzanlagenvermittler mit Zulassung nach Paragraf 34f Absatz 1 Nr. 1 GewO. Diese sind nun erstmals in der Lage, ihren Kunden Privatmarktanlagen in Form von ELTIFs zu vermitteln.
El Mallouki: Daneben gibt es auch eine deutlich größere Bandbreite an Produktanbietern. Darunter sind große internationale Investmentgesellschaften, die in Deutschland in den letzten 15 Jahren kein Retail-Produkt angeboten haben, weil die Investment-KG für sie nicht in Frage kam. Das führt zu mehr Wettbewerb und am Ende auch zu einem besseren Produktangebot, und zwar von Anbietern, bei denen sich nicht die Frage stellt, ob es sie in drei oder fünf Jahren noch gibt. Zweitens erweitert der ELTIF 2.0 die Asset-Klassen um Private Debt, also die Vergabe von Darlehen. Private Debt war für Retail-Kunden seit dem KAGB nicht zugänglich, auch nicht über AIFs. Das Dritte ist, dass nun Vertriebspartner Private Markets wieder in ihr Produktportfolio aufnehmen, die seit 15 Jahren nicht mehr in diesem Bereich unterwegs waren, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben oder ein zu enges Produktspektrum sahen.
Binder: Aus meiner Sicht ist die größte Chance, dass die hohen Eingangshürden bezüglich der Anlegereignung, die den Vertrieb verkompliziert haben, entfallen sind. Nun haben auch Kleinanleger die Möglichkeit, ihr Portfolio wie professionell Anlegende aufzustellen. Das Ziel einer strategischen Allokation ist ja immer, entweder mit demselben Risiko mehr Renditechancen zu haben oder dieselbe Renditechance mit weniger Risiko. Das ist mit Private-Markets-ELTIFs möglich. Private Equity, Private Debt oder auch das Cash-Flow-Profil einer Infrastruktur-Investition bieten spannende Renditechancen, aber auch eine interessante Korrelation zu einem klassischen Aktienportfolio, die das Gesamtportfolio stabilisieren kann. Mittlerweile kommen sehr große Player wie Apollo oder Blackstone auf den Markt und damit weitere sehr gute Produkte. Mit ELTIFs kann mit einer einzigen Fondsstruktur, ohne Vertriebsanzeige in jedem Land, der gesamte europäischen Markt angesprochen werden.