Während Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy eine Senkung auf zwei Prozent bis zum Sommer plane, rege die EZB-Direktorin Isabel Schnabel eine Diskussion darüber an, ob ein Einlagenzins von 2,5 Prozent überhaupt noch restriktiv sei und weitere Zinssenkungen unnötig seien. Schmidts Einschätzung zur weiteren Entwicklung:
„In diesem Spannungsfeld der unterschiedlichen Beurteilungen stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Wir erwarten, dass der Einlagenzinssatz bis zum Sommer auf zwei Prozent fällt. Der Grund dafür liegt im vergangenen Jahr: Der Dienstleistungssektor war der Hauptmotor des globalen Wachstums und hielt die europäische Wirtschaft knapp über der Nulllinie. Doch die wirtschaftliche Stimmung auf beiden Seiten des Atlantiks hat sich eingetrübt.
Daher ist die Frage: Kann ein Umschwung zum verarbeitenden Gewerbe gelingen, ohne dass die Dienstleistungsbranche darunter leidet? Bisherige Hoffnungen auf einen nahtlosen Übergang waren trügerisch, aber ein Nachholbedarf könnte die Wende begünstigen. Positive Tendenzen zeigen sich bereits im verarbeitenden Gewerbe in den USA und Deutschland (siehe ifo-Erwartungen), was sich förderlich auf die Verbraucherstimmung in Deutschland und Europa auswirkt. Ein gelungener Umschwung würde zuversichtlich stimmen, dass der Tiefpunkt bei den Zinsen bei zwei Prozent erreicht ist.
Was bedeutet das für die Anleihezinsen?
Die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen dürften auf dem Niveau verharren, auf dem sie zum Zeitpunkt der ersten Zinssenkung gehandelt wurden, also etwa bei 2,5 Prozent. Die Märkte haben die bisherigen Zinssenkungen bereits eingepreist. Wenn keine Überraschungen kommen, erwarten wir keine nennenswerten Rückgänge bei den langfristigen Renditen. Sollte sich die Erholung des verarbeitenden Gewerbes fortsetzen, könnten die langfristigen Zinsen im zweiten Halbjahr sogar wieder steigen.“