Gewerblicher Rechtsschutz bewahrt Unternehmer und Selbstständige vor unkalkulierbaren finanziellen Belastungen eines Rechtsstreits, ob für Anwalt, Gericht oder Gutachter. „Gute Rechtsschutzversicherungen übernehmen nicht nur Kosten, sondern unterstützen auch dabei unerwartete rechtliche Probleme einzudämmen, noch bevor sie großen Schaden anrichten können“, erläutert Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter der Franke und Bornberg, Hannover.
Rechtliche Beratung helfe, Risiken früh zu erkennen und Streitfälle zu schlichten, bevor sie eskalierten, so Franke. Ähnlich wie beim Auto brauche es mehrere Airbags für perfekten Schutz, zum Beispiel Arbeitsrechtsschutz, Vertragsrechtsschutz oder Steuerrechtsschutz. „Erst die Feinabstimmung aller Komponenten macht den Firmenrechtsschutz komplett“, so Franke weiter.
Neues beim Gewerbe-Rechtsschutz
Von insgesamt 40 Anbietern von Rechtsschutzversicherungen, die das Analysehaus bewertet, bieten aktuell 23 Gesellschaften gewerblichen Rechtsschutz. Seit dem Erstrating im Jahr 2022 steige die Qualität langsam, aber stetig, so Franke weiter. So bieten einige Versicherer nach Angaben von Franke und Bornberg mittlerweile auch eine Wirtschaftsmediation an. Rund um gewerblich genutzte Immobilien steigt der Schutz ebenfalls – beim Umfang ebenso wie bei versicherten Summen.
Das gilt zum Beispiel für Enteignungs-, Planfeststellungs- und Flurbereinigungsverfahren sowie Erschließungskosten und Anliegerabgaben. Ein einheitliches Bild zeichnet sich nach Angaben des Analysehauses allerdings noch nicht ab; die Anpassungen würden sich von Versicherer zu Versicherer unterscheiden.
Für treffsichere Bewertungen unterscheidet das Rating die Zielgruppen Selbstständige und Unternehmer sowie Land- und Forstwirte. Viele Ratingkriterien gelten laut F&B für beide Gruppen, während andere auf den spezifischen Bedarf der jeweiligen Zielgruppe eingehen.
Eine Schnittmenge bilden laut F&B Deckungssumme und Geltungsbereich sowie Leistungen für Strafkautionen, Assistance, telefonische Rechtsberatung und Mediation. In anderen Bereichen sind Land- und Forstwirte sowie Selbstständige und Unternehmer hingegen unterschiedlichen Risiken ausgesetzt. Aspekte, die ein privater Rechtsschutzvertrag abdeckt, zieht Franke und Bornberg nicht heran.
Firmenrechtsschutz für Selbstständige und Unternehmer
Das Rechtsschutzrating für Selbstständige und Unternehmer analysiert 81 Tarife von 23 Versicherern nach 60 Kriterien. Aufgrund einer Änderung der Tarifstruktur bei der Allianz sind es etwas weniger Tarife als im letzten Jahr. Nur jeder siebte Tarif erhält 2025 die Spitzenbewertung FFF+ hervorragend. 25 Prozent erreichen ein FFF – sehr gut.
Das Mittelfeld bilden weitere rund 20 Prozent aller Tarife (Note FF+ gut). Ein weiterer Fortschritt: die beiden niedrigsten Klassen (F mangelhaft und F- ungenügend) sind 2025 erstmals unbesetzt.

Die Topnote FFF+ geht an vier Gesellschaften. Unangefochtener Spitzenreiter bleibt die ARAG mit acht Tarifvarianten, die Franke und Bornberg als „hervorragend“ bewertet.
Gesellschaften mit mindestens einem Rechtsschutztarif für Selbstständige und Unternehmer in den beiden besten Bewertungsklassen:
Allianz: | FFF+ |
ARAG: | FFF+ |
DEURAG: | FFF+ |
Roland: | FFF+ |
Concordia: | FFF |
Itzehoer: | FFF |
NRV Neue Rechtsschutz: | FFF |
ÖRAG: | FFF |
VHV: | FFF |
Württembergische: | FFF |
Schwächere Tarife sind laut F&B vor allem bei älteren Bedingungswerken sowie in günstigen Basisversionen vertreten. Sie scheitern an Kriterien wie Urheber-Rechtsverstöße, Wettbewerbs- und Kartellrecht, Online-Rechtsberatung, AGB-, Dokumenten- und Vertragscheck. Beim Arbeitsrechtsschutz mangelt es beispielsweise an leistungsfähigem Schutz für Aufhebungsvereinbarungen. Und nicht selten verhindert laut F& B ein nicht erfüllter Mindeststandard den Einzug in eine bessere Bewertungsstufe.
Firmenrechtsschutz für Land- und Forstwirtschaft
Das Rechtsschutzrating für Land- und Forstwirtschaft analysiert 45 Tarife von 22 Versicherern nach 42 Detailkriterien. Auch hier attestieren die Analysten im Vorjahresvergleich Fortschritte. 2025 gibt es für jeden zehnten Tarif die Bestnote FFF+ hervorragend und für weitere 27 Prozent ein FFF sehr gut. Mit der Allianz und der ÖRAG bieten jetzt neben Roland zwei weitere Gesellschaften mindestens einen Top-Rechtsschutztarif (FFF+) für Land- und Forstwirte. Neu aufgestiegen in die Gruppe der sehr guten Anbieter (FFF) sind Concordia und DEURAG.

Diese Gesellschaften bieten mindestens einen Top-Rechtsschutztarif für Land- und Forstwirte in den beiden besten Bewertungskategorien:
Allianz: | FFF+ |
ÖRAG: | FFF+ |
Roland: | FFF+ |
ARAG: | FFF |
Concordia: | FFF |
DEURAG: | FFF |
Itzehoer: | FFF |
NRV Neue Rechtsschutz: | FFF |
VHV: | FFF |
VGH: | FFF |
Württembergische: | FFF |
Eine Spitzenbewertung verfehlen Rechtsschutztarife für Land- und Forstwirte beispielsweise in den Bereichen Cross-Compliance, Beratungsrechtsschutz bei Hofübergabe, Streitigkeiten bei Erschließungs- und Anliegerabgaben sowie Forderungsmanagement.
Zu den Mindeststandards zählen laut F&B uneingeschränkter Versicherungsschutz vor deutschen Behörden und Gerichten sowie Kostenübernahme von mindestens 10.000 EUR für Cross-Compliance-Verfahren.
Wie nachhaltig sind Firmenrechtsschutztarife?
Spannend ist die Frage der Bewertung der Nachhaltigkeit bei den Rechtsschutztarifen. Leistungen wie Mediation und Online-Rechtsberatung können helfen, wertvolle Ressourcen zu schonen. Das alleine aber mache Firmenrechtsschutztarife noch nicht nachhaltig so F&B. „Bislang sehen wir bei Versicherern wenig Engagement, ihre Firmenkunden auf dem Weg zu nachhaltigerem Wirtschaften zu begleiten“, ergänzt Christian Monke, Leiter Ratings Private Risiken bei Franke und Bornberg.
Erste Ansätze könnten Nachlässe für E-Mobilität beim Verkehrsrechtsschutz oder für Gewerbeimmobilien mit niedrigem Ressourcenverbrauch darstellen, so Monke. Noch aber sei die Branche von entsprechenden Angeboten weit entfernt. Einzig die Kapitalanlage biete bereits eine effektive Basis für Nachhaltigkeit.
Empfehung: Produktneuerungen im Blick behalten
Franke und Bornberg moniert abschließend, dass die Verbesserungen, die es in den Firmenrechtsschutz-Tarifen seit dem Erstrating nicht immer dem Bestand zugute kommen. „Kunden sollten nicht darauf vertrauen, dass ihr bestehender Firmenrechtsschutz auch Jahre später noch die bestmögliche Absicherung bietet. Von den Fortschritten profitiert nur, wer sie zu nutzen weiß“, mahnt denn auch Franke. Dafür sei fachkundige Beratung unverzichtbar. Vermittlern rät Franke daher dringend, neben den Risiken ihrer Kunden auch Produktneuerungen im Blick zu behalten.