Das abgeschlossene Finanzierungsvolumen der Interhyp-Gruppe im Jahr 2024 lag bei 22,4 Milliarden Euro (2023: 17,2 Milliarden Euro), teilt das Unternehmen mit. Der Rohertrag stieg um 31 Prozent auf 184 Millionen Euro (2023: 141 Millionen Euro). Der operative Vorsteuergewinn kletterte auf zehn Millionen Euro, das sind rund 45 Millionen Euro mehr als noch im Jahr zuvor. Auch beim Marktanteil ging es den Angaben zufolge rund ein Prozent nach oben auf 11,1 Prozent.
„Der Immobilienmarkt hat sich über das ganze Jahr 2024 hinweg deutlich erholt“, sagt Jörg Utecht, CEO der Interhyp Gruppe. „Natürlich hat uns der wieder anspringende Markt Rückenwind gegeben – wir haben diesen Rückenwind aber auch sehr gut genutzt“. Grund für die Markterholung sei vor allem die gestiegene Leistbarkeit, bedingt durch gesunkene Zinsen und Immobilienpreise, die immer noch deutlich unter ihren Höchstständen liegen, so Interhyp.
Niedrigere Raten durch gesunkenes Zinsniveau
Das gesunkene Zinsniveau bedeutete für die Kundinnen und Kunden der Interhyp niedrigere monatliche Raten. Aktuell liegt der durchschnittliche Zinssatz für ein 10-jähriges Darlehen bei rund 3,4 Prozent – 2023 lagen die Zinsen in der Spitze bei 4,2 Prozent. Die durchschnittliche Darlehenssumme lag 2024 bei 325.000 Euro (2023: 310.000 Euro). Ausgehend von dieser Darlehenssumme zahlen die Interhyp-Kundinnen und -Kunden im aktuellen Zinsumfeld (3,4 Prozent) auf die gesamte Laufzeit gesehen rund 25.000 Euro weniger an Rate im Vergleich zu einer Finanzierung mit einem Zinssatz von 4,2 Prozent, rechnet das Unternehmen vor.
„Was den Kauf einer Immobilie zusätzlich attraktiver gemacht hat, sind die immer weiter steigenden Mietpreise“, erläutert Utecht. „Anders als auf dem Immobilienmarkt gibt es im Mietmarkt kaum attraktives Angebot. Es wird schlicht zu wenig gebaut, um hier für Entlastung zu sorgen.“
Der fehlende Neubau mache sich auch in den über Interhyp abgeschlossenen Finanzierungen bemerkbar. Der Kauf eines Neubaus vom Bauträger oder ein eigenes Bauvorhaben machten in 2024 nur zwölf Prozent der abgeschlossenen Finanzierungen aus – vor der Zinswende lag dieser Wert bei um die 20 Prozent. Die Abschlüsse für den Kauf einer Bestandsimmobilie lägen dagegen mittlerweile wieder auf Vorkrisenniveau.
Markt „so gesund wie lange nicht mehr“
„Der Markt für Bestandsimmobilien ist gerade so gesund wie lange nicht mehr“ betont CEO Utecht. „Natürlich war das Zinsniveau während der Niedrigzinsphase niedriger, der Markt war aber extrem umkämpft. Die Preise schossen in die Höhe. In den darauffolgenden Krisenjahren 2022/2023 haben wir das Gegenteil gesehen. Das Angebot war da, aber plötzlich fehlte die Nachfrage, wodurch die Immobilienpreise fielen. Besonders die gestiegenen Zinsen haben aber für sehr viel Unsicherheit im Markt gesorgt und auf die Leistbarkeit gedrückt.“
In 2024 hat sich laut Utecht eine neue Balance eingestellt. Es gibt nach wie vor ein attraktives Angebot, es gibt aber auch wieder deutlich mehr Nachfrage. Verkäufer und Käufer begegnen sich auf Augenhöhe.
„Abwarten ist keine gute Strategie“
Utecht rät: „Immobilieninteressenten bietet sich für den Kauf von Bestandsimmobilien gerade ein echter Sweet Spot. Ich kann nur empfehlen, diesen zu nutzen. Es gibt keinen Grund zu warten mit dem Immobilienkauf. Wir sehen bereits heute, wie sich der Verhandlungsspielraum durch die hohe Nachfrage auch bei niedrigeren Energieklassen immer weiter schließt.“
Für die weitere Entwicklung der Bauzinsen geht der Interhyp-Vorstandsvorsitzende von einer Seitwärtsentwicklung aus: „Das Zinsniveau dürfte sich bis zum Frühsommer weiterhin in einem Korridor zwischen 3 und 3,5 Prozent für zehnjährige Darlehen bewegen. Die erwarteten Leitzins-Senkungen der EZB sind in diesem Niveau bereits eingepreist. Abwarten und auf niedrigere Zinsen spekulieren ist aus unserer Sicht daher keine gute Strategie für Immobilieninteressenten und Anschlussfinanzierer.“