Gold zieht Silber mit, aber das Angebot schwächelt

Silber- und Goldbarren
Foto: PantherMedia
Silber ist auch auf der Überholspur.

In letzter Zeit sorgte vor allem die Rekordjagd beim Goldpreis für Gesprächsstoff. Auch der Preis von Silber ist im Steigen begriffen. Dabei zieht Silber nicht nur einfach mit Gold mit. Viel wichtiger ist, dass sich ein Defizit bei der Silberverfügbarkeit bemerkbar macht.

„Die Nachfrage nach Silber ist seitens institutioneller Kunden und bei Kleinanlegern in letzter Zeit deutlich angestiegen“, sagt Tobias Kascha, Deutschland-Geschäftsführer vom Edelmetallhandelsunternehmen philoro EDELMETALLE. „Silber erlebt gerade eine Renaissance“, so Kascha. Die Umsätze mit Silber haben sich im ersten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. „Weil Gold von einem Rekord zum nächsten Allzeithoch springt, weichen viele Privatanleger vermehrt auf Silber aus“, erklärt der Edelmetallexperte.

Silber hat sich im Verhältnis in letzter Zeit ähnlich gut entwickelt wie Gold. Anfang April liegt der Silberpreis bei rund 31 Euro pro Feinunze (Stand: 1. April 2025). In den vorausgehenden zwölf Monaten schwankte der Preis zwischen 23,04 Euro und einem Hoch von 32,29 Euro pro Unze. Es gab eine gewisse Schwankungsbreite beim Preis. Sie spiegelt die komplexen Marktbedingungen wider, die den Silberpreis beeinflussen. Die Rendite im Jahresrückblick beträgt satte 35 Prozent. Damit ist sie ähnlich hoch wie die von Gold. In Euro hat Silber seit dem Jahr 2000 eine durchschnittliche Performance von 7,1 Prozent erreicht. Die höchste Performance hatte Silber im Jahr 2010 mit 96,2 Prozent Preisanstieg. Das zeigt, wie groß das Potenzial von Silber ist. „Die steigende Industrienachfrage bei sinkendem Angebot deuten auf einen langfristig steigenden Silberpreis hin“, sagt Tobias Kascha von philoro. Zahlen der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wären aus 100.000 Euro, die man am 1. Januar 2024 in Silber angelegt hätte bis zum 31. Dezember 2024 daraus 130.750 Euro geworden.  


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Silber sehr knapp verfügbar

Der steigende Silberpreis ist unter anderem in der immer mehr zu Tage tretenden Knappheit des Rohstoffes begründet. Schon von 2021 bis 2024 gab es ein Silberdefizit. Derzeit können die oberirdischen Silberbestände das Defizit noch ausgleichen. Daten des Silver Institute zeigen, dass der Silbernachschub von Jahr zu Jahr sinkt. Grund: Jedes Jahr kommt weniger neues Silber auf den Markt. Dies, obwohl die Menge an Recycling-Silber zunimmt. Da gleichzeitig die Nachfrage nach Silber Jahr für Jahr steigt, stellt sich die Frage, wie lange es noch genug Silber gibt. Mit 1,05 Milliarden Unzen dürfte das weltweite Silberangebot dem Institut zufolge dieses Jahr ein Elfjahreshoch erreichen. Im Vergleich dazu dürfte die Silberminenproduktion ein Siebenjahreshoch erklimmen. Auch in der Goldscheideanstalt (GOLDWERK) von philoro in Österreich, wo auch Silber verwertet wird, steigt das Angebot an Silber, was zur Aufbereitung angeboten wird.  Perspektivisch stagniert die Bergbauproduktion. Dieses Defizit kann bis 2026 rund 100 Millionen Silberunzen pro Jahr erreichen.

Auf dem neuen Branchentreffen Zukunftsforum Edelmetalle äußerte sich Nicky Shiels. Sie ist Head of Research & Metals Strategy beim Edelmetallunternehmen MKS PAMP. Sie ist für Silber im Verhältnis optimistischer als für Gold. In der zweiten Jahreshälfte 2025 rechnet sie mit einem Preis von 36,50 US-Dollar pro Unze im Schnitt und mit 42 US-Dollar in der Spitze. 

Hohe industrielle Nachfrage

Ein Grund für die steigende Nachfrage nach Silber ist die breite industrielle Verwendung. Silber spielt eine entscheidende Rolle in verschiedenen Industriezweigen – besonders in der Elektronik, Photovoltaik und Medizintechnik. Die Elektronikindustrie nutzt Silber aufgrund seiner hervorragenden Leitfähigkeit in zahlreichen Geräten wie Smartphones, Tablets und Laptops. In der Photovoltaik wird Silberpaste in etwa 90 Prozent aller Silizium-Solarzellen verwendet. Damit erhöht sich die Effizienz der Energieumwandlung. Zudem nutzt die Automobilindustrie Silber in verschiedenen Komponenten, besonders in batterieelektrischen Fahrzeugen. Auch die Zunahme von Rechenzentren mit Schwerpunkt Künstlicher Intelligenz fördert den Bedarf nach elektronischen Bauteilen, in denen Silber enthalten ist. Hinzu kommt, dass Silber auch in der Rüstungsindustrie benötigt wird. 

Silber aktuell unterbewertet

Ein wichtiger Indikator für Anleger ist die Gold-Silber-Ratio – das Verhältnis des Goldpreises zum Silberpreis. Aktuell liegt diese Kennzahl bei etwa 90:1. Der langfristige Mittelwert steht bei etwa 70:1. Dies deutet darauf hin, dass Silber im Vergleich zu Gold unterbewertet sein könnte. Damit besitzt es Potenzial für eine stärkere Wertentwicklung. Zusätzlich zeigt die historische Entwicklung, dass auf Phasen mit hoher Gold-Silber-Ratio oft ein überdurchschnittlicher Anstieg des Silberpreises folgte.

Zölle könnten auch Silber treffen

Der sich anbahnende Handelsstreit zwischen den USA und der EU könnte ebenfalls dazu führen, dass Silber teurer wird – besonders wenn das Edelmetall mit Zöllen belegt wird. Die EU plant als mögliche Gegenmaßnahmen zu den US-Zöllen, Einfuhren auf Stahl und Aluminium höher zu besteuern. Hier läuft gerade eine öffentliche Beratung. Auf der Liste der betroffenen Produkte sind auch Silberbarren und Silberanlagemünzen.

Silber in physischer Form beliebt

„Ähnlich wie Gold ist auch Silber bei Anlegern beliebt als Absicherung in Krisenzeiten. Die instabile geopolitische Lage und die unberechenbare Politik des US-Präsidenten Donald Trump machen Silber zur beliebten Krisenwährung. Auch mit dem Ziel, sich vor Inflation zu schützen, legen viele Investoren einen Teil ihres Sparkapitals in Edelmetalle an“, erklärt Tobias Kascha. 

Tritt Silber aus dem Gold-Schatten hervor?

Silber ist nach wie vor ein unterschätztes Edelmetall mit großem Potenzial, das häufig im Schatten von Gold zurückbleibt. Die Kombination aus strukturellem Angebotsdefizit, steigender industrieller Nachfrage, geopolitischen Unsicherheiten und einem sich verbessernden Investoreninteresse könnte Silber zu einer spannenden Anlagemöglichkeit dieses Jahr machen.

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