US-Zölle: Wie hoch ist Trumps Schmerztoleranz?

Prof. Dr. Jan Viebig, Chief Investment Officer von ODDO BHF SE: „US-Präsident Donald Trump hat seine Drohung wahrgemacht und die Zölle auf Importe in die USA stark erhöht.

Diese Maßnahmen sind aus unserer Sicht aus zwei Gründen schädlich und riskant:

1) Mit diesen einseitigen Zollerhöhungen verlassen die USA die multilaterale Handelsordnung. Er geht damit das Risiko eines Handelskriegs der USA mit ihren wichtigsten Handelspartnern ein.

2) Aufgrund der Höhe der beschlossenen Zölle beschwört Trump Risiken für die Weltwirtschaft herauf, die sich aus heutiger Sicht nicht verlässlich abschätzen lassen.

Die USA selbst werden die Leidtragenden von Trumps Handelspolitik sein. Die Zollerhöhungen werden die Preise für Importgüter in die USA verteuern. Insofern sich diese nicht durch US-Produkte ersetzen lassen, werden dadurch die Verbraucherpreise in den USA steigen und das verfügbare Einkommen der amerikanischen Bürger entsprechend sinken. Die Zölle wirken für die amerikanischen Haushalte wie eine zusätzliche Verbrauchssteuer.

Die neue Zollpolitik wird den Wechselkurs des US-Dollar schwächen. Damit einher werden Wechselkursverluste für ausländische Anleger gehen, die in Aktien oder Anleihen in den USA investieren. Durch einen schwächeren Dollar gefährdet Trump die Finanzierung des amerikanischen Haushaltsdefizits durch ausländische Investoren. Trumps konfrontative Zollpolitik verdunkelt die Wachstumsaussichten der USA. Der IWF hat bisher das Wirtschaftswachstum in den USA für dieses Jahr auf 2,7 Prozent veranschlagt. Diese Schätzung wird unserer Einschätzung nach kaum noch zu halten sein. Die EU hat bereits Gegenmaßnahmen angekündigt, die im Laufe des April in Kraft treten sollen. Wir hoffen, dass Trump mit diesen Zollerhöhungen Verhandlungen mit den wichtigsten Handelspartnern der USA erzwingen will und dass ein globaler Handelskrieg abgewendet werden kann.

Am Mittwochabend hatte Trump vor der Presse umfangreiche Zollerhöhungen angekündigt. Importe aus der EU werden künftig mit einer Einfuhrgebühr von 20 Prozent belegt. Zölle für Waren aus China, die ohnehin schon mit 20 Prozent besteuert werden, sollen mit weiteren 34 Prozent belegt werden, sodass Importe aus China Zöllen von insgesamt 54 Prozent unterliegen. Für Südkorea liegen die Zölle künftig bei 25 Prozent, für Japan bei 24 Prozent und für Taiwan bei 32 Prozent. In Europa werden Importe aus Großbritannien mit Zöllen von 10 Prozent belegt und Importe aus Norwegen mit 15 Prozent. Unter dem Strich solle es neue Zölle von 10 Prozent auf die meisten Importe in die USA geben, sagte Präsident Trump.“

Jan Viebig, Oddo BHF
Jan Viebig, (Foto: Frank Blümler, Frankfurt, Germany)
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